Einsatzberichte

Einsatzbericht Chalsa/Jalpaiguri/Westbengalen 2017

Neben dem chirurgischen Hauptaspekt begegnen uns auch immer wieder alltägliche pädiatrische Probleme. So wurde uns dieses Jahr Asbeen erstmalig vorgestellt, ein 6 Wochen alter, vermutlich einige Wochen zu früh geborener Säugling mit beidseitiger kompletter Spalte. Bei der Geburt wog er gerade mal 2000 g. Nach 4 Tagen in der Klinik wurde er mit 1800 g entlassen. Die Mutter hatte sehr wenig Muttermilch, so wurde der Säugling teilweise mit Säuglingsnahrung, aber hauptsächlich mit Kuhmilch gefüttert. Bei der Vorstellung zeigte sich Asbeen dehydriert, mit eingefallener Fontanelle und deutlich reduzierter Spannung der Haut („stehende Hautfalten“). Eine OP war schon aufgrund des Alters, aber umso mehr aufgrund des schlechten Zustands des Säuglings nicht möglich.Wir überredeten jedoch die Eltern, einige Zeit im Camp zu bleiben. In dieser Zeit erfolgte eine Aufklärung der Eltern über eine altersgerechte Ernährung von Säuglingen im ersten Lebensjahr (Kuhmilch ist im 1. Lebensjahr als reine Trinknahrung wegen zu hohem Protein- und Mineralstoffgehalt nicht geeignet), in der Zubereitung von Säuglingsmilch sowie der korrekten Füttertechnik bei Kindern mit Lippen-Kiefer-Gaumenspalte. Erfreulicherweise lernte die Mutter dies alles sehr rasch, so konnte Asbeen nach 3 Tagen in gutem Allgemeinzustand und mittlerweile mit einem Gewicht von 2500g entlassen werden. Sicherheitshalber wird das Team des lokalen „Health-Care-Centers“ ein Auge auf Asbeen haben und ihn einmal wöchentlich zur Gewichtskontrolle besuchen. Wir sind sehr gespannt wie er sich über das Jahr entwickelt und hoffen ihn nächstes Jahr in unseren OP Plan aufnehmen zu können.

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Einsatzbericht Indien Dr. Dünzel 2017

Auch in diesem Jahr wurden im Screening ca. 200 Patienten gesehen, von denen 64 zur
Operation ausgewählt werden konnten. Besonders bei den orthopädischen Patienten
waren häufig doppelseitige Eingrifffe erforderlich, viele Patienten erhielten anschließend
individuelle Schienen angepasst, weitere 12 Patienten wurden ausschließlich mit Orthesen
versorgt. Besonders beeindruckt waren alle, als der Junge Mohit mit seinen neuen
Schienen erstmals auf eigenen Beinen vorsichtige Schritte versuchte...

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Einsatzbericht Nepal Dr. Roldan 2017

... ein fünfjähriger Junge nach Verbrennung. Die Nasenlöcher waren durch Vernarbung kaum durchgängig, der Mundspalt war durch Vernarbung verkleinert, sodass die Atmung nur durch einen eingeengten Mundspalt möglich war. Es war eine chirurgische Herausforderung. Mit Hautverschiebeplastiken aus der Wange wurden die Nasenböden rekonstruiert, der Mundspalt wurde erweitert und mit Schleimhaut aus der Mundhöhle umsäumt. Nach dieser ersten Operation, war mir klar, daß ich angekommen war, der Ort wo die Zeit nicht gemessen wird, wo Wunderbares entsteht, die Kraft des Heilens, möglichst ohne zu große Spuren. 

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Kurz Zusammenfassung Nepal Dr. Keller 2017

... Anfänglich haben wir nur vereiterte, tiefzerstörte Zähne entfernt, Abszesse gespalten um die armen Menschen in einen schmerzfreien Zustand zu bringen. Mundhygieneprogramme und Vorbeugung durch Versieglung der bleibenden Backenzähne haben Vorrang bekommen.

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Einsatzbericht Madagaskar Dr. Vandehult 2017

... Ein besonders tragischer Fall, der uns vorgestellt wurde, betraf ein 23 Jahre altes Mädchen, dessen Gesicht von ihrem Ex-Freund mit Batteriesäure verätzt worden war. Die rechte Gesichtshälfte bestand zum größten Teil aus Narbengewebe, das rechte Auge konnte nicht mehr geschlossen und der Kopf nicht mehr gedreht werden. Wir entfernten die Narben, rekonstruierten die Augenlider und deckten die Defekte mit Vollhaut. Alle Transplantate heilten gut ein, sie konnte auch wieder den Kopf drehen und das rechte Auge schließen. Ihr Gesicht wird aber nie wieder sein wie es war und die Narben der Seele werden auch nie richtig verheilen. Der Ex-Freund läuft nach 3 Monaten Gefängnis wieder frei herum...

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Einsatzbericht Angola 2017

... Nach allen Vorbereitungen im OP-Saal fährt das Team am Sonntag zu einem Campingplatz am Meer, dort sind die bereits angereisten Familien untergebracht. Über zwanzig Kinder werden an diesem Tag schon gesichtet. Dabei schauen sich die Chirurgen zunächst die Fehlbildungen an. Manche Gesichter kennen sie schon, haben im Vorjahr bereits die Lippenspalte korrigieren können. Es wird in den Mund geleuchtet, es wird fotografiert, es wird untersucht. Laborwerte bringen viele Patienten bereits mit, die Vorbereitung durch die Mitarbeiter von Kimbo ist gut. Die Anästhesisten hören die Lunge ab, messen die Sauerstoffsättigung im Blut, die Temperatur und das Gewicht des Kindes. Nur sehr wenige Familien müssen enttäuscht werden. Ist ihr Kind noch zu klein oder zu leicht, ist das Risiko der Narkose unter den Umständen doch zu groß. Sie können sich im nächsten Jahr erneut vorstellen, dann hat das Kind hoffentlich genug Gewicht zugenommen, um für die Operation bereit zu sein. Leicht fällt dieser Schritt auch dem Team nicht, haben manche Familien doch eine sehr lange Anreise auf sich genommen.

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Einsatzbericht Puma Tanzania 2017

Täglich kamen neue Patienten vor allem mit frischen oder älteren Knochenbrüchen oder auch infizierten Knochenbrüchen. Besonders schwer getroffen hatte es einen jungen Mann, dem ein gebrochener Oberschenkel in einem auswärtigen Krankenhaus mit einem Marknagel versorgt worden war. Jetzt hatte sich der Markraum schwer entzündet, es waren Fisteln zur Körperoberfläche entstanden und wir mussten den Nagel entfernen, Antibiotikaketten einlegen und alles mittels Fixateur extern stabilisieren.

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Einsatzbericht Goma (Kongo) 2017

... Am 02.07.2017 standen wieder ca. 400 Patienten aus allen Teilen des Nord-Kivu vor dem kleinen CEDIGO-Hospital in Goma, darunter auffällig viele große Gesichts- und Halstumore, meist Burkitt´Lymphome, Ameloblastome und Sarkome, Kröpfe, wenig Verbrennungs-Kontrakturen, und diesmal keine Spalten. Leider hatten wir wenig Einfluß auf die Auswahl der jeweils 20 Patienten, die in den folgenden 8 Op-Tagen immer schon HIV-getestet und umgezogen vor dem Operationssaal saßen.

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Einsatzbericht Madagaskar Dr. Reingruber 2017

... Hier einzusetzen ist auch die Motivation und Ziel der medizinischen Hilfseinsätze. Neben der Beeinflussung individuellen Schicksals, also von Patienten, denen wir durch eine Operation unmittelbar helfen können, versuchen wir auch in der Bevölkerung eine Vorstellung zu erzeugen, was das Menschenrecht auf medizinische Versorgung selbst in den ärmsten Regionen der Welt bedeuten kann. Dazu gehört es auch, mit unseren Leistungen, die ja grundsätzlich kostenlos angeboten werden, nicht die Entwicklung einheimischer medizinischer Strukturen zu untergraben, sondern diese gezielt und in steter subtiler Abstimmung gemeinsam mit den Einrichtungen vor Ort zu gestalten und zu fördern.

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Einsatzbericht Kodaikanal (Indien) 25.03. - 07.04.2017

Es ist unglaublich, mit welchen Schicksalsschlägen die Menschen dort leben müssen. Es wird mit offenem Feuer gekocht, und wie schnell gerät etwas in Brand und verletzt die Menschen in unmittelbarer Nähe: schwerste und äußerst entstellende Verbrennungen an Hals und Gesicht können die Folge sein, die die Patienten teilweise nicht mehr richtig essen und sprechen lassen. Sie sind somit im sozialen Leben ausgegrenzt und ausgeschlossen. Oder Verbrennungen an den Händen, sodass die Patienten nicht mehr arbeiten können, um sich ihren Lebensunterhalt zu verdienen oder ihre Familien zu versorgen. Für manche Frauen bedeutet das auch, dass sie nie heiraten werden und damit ihr Leben lang ihrer Familie zur Last fallen - in einer Kultur, in der es noch sehr wichtig ist, als Frau verheiratet zu sein, um versorgt zu sein. Leider gibt es auch die Fälle, in denen es für Frauen der einzige Weg zu sein scheint aus einer schlechten Ehe auszubrechen, sich selbst anzuzünden. Oder in manchen Fällen auch vom Ehemann angezündet zu werden.

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